Schloss und Park

 

Vor den Toren der Stadt Bern erhebt sich stolz das Schloss Jegenstorf – der elegante Berner Barocklandsitz, eingebettet in eine weitläufige Parkanlage. Die mittelalterliche Burg, die einst anstelle des heutigen Schlosses die Landschaft prägte, wurde 1720 durch Albrecht Friedrich von Erlach zu einem barocken Landsitz mit Parkanlage erweitert. Anton Ludwig Stürler baute den Park ab 1758 weiter aus. Der letzte private Besitzer des Schlossgutes, Arthur von Stürler, liess das Schloss zwischen 1913 und 1915 aufwendig im Stile des 18. Jahrhunderts renovieren. Damals kamen auch die zahlreichen barocken Kachelöfen ins Schloss. Nach dem Tod Stürlers  wurde das Schloss 1936 durch den Verein zur Erhaltung des Schlosses Jegenstorf erworben und öffentlich zugänglich gemacht. 1944 bis zum Ende des Aktivdienstes diente das Schloss General Henri Guisan als Kommandoposten. Dank des Staatsbesuchs des äthiopischen Kaisers Haile Selassie im Jahr 1954, der im Schloss Jegenstorf untergebacht worden ist, kann sich Schloss Jegenstorf als temporäre Kaiserresidenz bezeichnen. Im folgenden Jahr wurde die Stiftung Schloss Jegenstorf neue Besitzerin.

 

 

 

Jegenstorf im Mittelalter

Mit Hugo von Jegistorf begegnen wir in einer Urkunde von 1175 erstmals nicht nur einem Angehörigen dieser Herrschaftsfamilie sondern auch dem Ortsnamen selbst. Das zähringische Allodialgut (Familienerbgut) Jegenstorf verwalteten die Herren von Jegistorf als erbliches Lehen. Das Todesjahr Bertholds II. von Zähringen 1111 wird oft als legendäres, jedoch nicht nachweisbares Datum der Erbauung des Schlosses genannt. Schloss Jegenstorf dürfte um 1200 als Holzburg bestanden haben. Hölzerne Türme und Wehranlagen verschwanden im 13. und 14. Jahrhundert allmählich oder wurden in Stein neu erbaut. Im 14. Jahrhundert erlosch das Geschlecht von Jegistorf. Die Herrschaft mit Gerichtsbarkeit, Burg und Kirchensatz zu Jegenstorf wurden schon früher aufgeteilt und befanden sich um 1300 zu nicht näher bestimmbaren Anteilen im Besitz der Berner Familien Buwli, von Erlach, Frieso, Gloggner, von Schwanden, Spilmann, von Torberg und Zigerli. Die in der Stadt Bern aufstrebende Familie von Erlach schaffte es, in einem Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren durch geschickte Heiratspolitik und Ankäufe sämtliche Herrschaftsanteile von Jegenstorf in ihren Besitz zu bringen. Johann von Erlach (1474-1539) wurde 1519 alleiniger Herr zu Jegenstorf und im selben Jahr auch Schultheiss von Bern. 1583 erwarb Ulrich von Bonstetten (1548-1607) die Herrschaft Jegenstorf.

 

 

 

Fenster und Gartenparterres

In der Zeitspanne von 1670 bis 1719 können anhand von Abbildungen Umbauten an der Burg Jegenstorf ausgemacht werden. Wann und in welchem Ausmass bis zu diesem Moment um- und ausgebaut wurde, kann nur vermutet werden, da entsprechende Bauuntersuchungen fehlen. - Durch die Vermählung von Ulrich von Bonstettens Enkelin Anna (1626-1660) mit Niklaus von Wattenwyl (1624-1679) gelangte die Herrschaft Jegenstorf im Jahr 1675 in dessen Besitz. Er vermachte diesen 1679 an seinen Sohn Niklaus (1653-1691), der acht Jahre zuvor auch die Freiherrschaft Diessbach bei Thun (heute Oberdiessbach) von seinem Onkel Albrecht von Wattenwyl erben konnte. Der „reiche Wattenweiler“ Niklaus kam durch diese Erbschaften in Besitz von zwei sehr bedeutenden Twingherrschaften. Das Schloss Diessbach wurde durch seinen Onkel Albrecht nach 1666 im Stil der französischen Spätrenaissance neu erbaut. Seine finanziellen Möglichkeiten dürften ihm erlaubt haben, Schloss Jegenstorf dem Geschmack der Zeit anzupassen. Er liess den Burggraben auffüllen, Alleen und ein Gartenparterre anlegen sowie das Hauptgebäude (Palas) befenstern. Die Wandlung der Burg Jegenstorf in ein Schloss wurde nun in einem ersten Schritt vollzogen, indem der Palas und der südöstliche Turm entfestigt wurden.

 

 

 

Das Schloss wird barock

Albrecht Friedrich von Erlach bereiste in den Jahren 1715 bis 1720 Frankreich, England, Deutschland und Holland. Nach seiner Rückkehr nach Bern kaufte Albrecht Friedrich von Erlach 1720 die Herrschaft Jegenstorf zusammen mit dem Rebgut Villars-Dessus in Bougy von Samuel von Wattenwyl um 100‘000 Pfund. Das Rebgut trat er sogleich an seinen Vater Hieronymus von Erlach ab. Die Gründe für dieses Vorgehen entziehen sich unserer Kenntnis, belegen jedoch, dass Hieronymus bei diesem Handel beteiligt war, denn schliesslich ging es darum, das Erlachsche Territorium mit den Herrschaften Hindelbank, Urtenen, Bäriswil, Mattstetten, Moosseedorf und Thunstetten abzurunden. Auf seinen ausgedehnten Reisen hat von Erlach manche Schlossanlage besucht und seine Eindrücke mit nach Hause gebracht. Vielleicht entwarf er den Umbau selbst und übergab die Bauleitung einem Werkmeister. Ein Plan um 1735 zeigt die Schlossanlage nach der Umgestaltung durch Albrecht Friedrich, die sich in den Grundzügen bis heute erhalten hat. Albrecht Friedrich von Erlach verkaufte Herrschaft und Schloss Jegenstorf bereits 1748 an seinen Sohn Karl Ludwig, nachdem er von seinem Vater Hindelbank übernommen hatte. Karl Ludwig überliess 1758 das Schloss Anton Ludwig Stürler gegen eine Bodengülte und Nachgeld, behielt jedoch die Herrschaftsrechte.

 

 

 

Aufgeklärtes Landleben

Es deutet Vieles darauf hin, dass der begüterte Offizier Anton Ludwig Stürler (1725-1797) den Park des Schlosses Jegenstorf in den Jahren 1758 bis 1764 umgestalten oder erweitern liess. Aus dem Jahr 1764 sind zwei Veduten Samuel Hieronymus Grimms sowie ein Aufnahmeplan des Parks überliefert. Die oben eingefügte Vedute bringt den Geist der Zeit nach der Jahrhundertmitte des 18. Jahrhunderts trefflich zum Ausdruck: die gegenseitige Abhängigkeit von Landwirtschaft und Schlossherrschaft, aber ebenso das durch Albrecht von Haller (1708-1777) geprägte antithetische Verhältnis des Patriziates zum Landvolk. - Das Tor zum Schlosspark bleibt verschlossen! 1765 verkaufte Anton Ludwig Stürler das Haus an seinen Bruder Johann Rudolf Stürler, genannt ‚Mylord’. Dessen gleichnamiger Sohn war ab 1789 Schlossbesitzer. Er erlebte die Märztage von 1798 im Schloss und berichtete später, dass sein reich gefüllter Weinkeller das Schloss vor weiterer Plünderung und Verwüstung durch die Franzosen verhinderte. Nach eigenen Angaben verkaufte er das Schloss 1812 aus finanziellen Gründen an seinen entfernten Cousin Rudolf Gabriel Stürler von Serraux.

 

 

 

Elektrizität und Zentralheizung

Während das Äussere des Schlosses fast unverändert den Zustand nach dem Umbau um 1720 bewahren konnte, wurde das Innere in den Jahren 1913 bis 1916 im Stil des 18. Jahrhunderts ausgestattet. Die Einrichtungen, Renovierungen und Umbauten wurden im Auftrag des letzten privaten Besitzers Arthur von Stürler (1874-1934) durch die Berner Architekten Willy Stettler und Fritz Hunziker entworfen und ausgeführt. Das Schloss Jegenstorf wurde 1905 als erstes Gebäude im Amt Fraubrunnen elektrifiziert. Die meisten Räume des Hauses erhielten Zentralheizung oder Kachelöfen (oder beides), damit die Familie von Stürler das Haus ganzjährig bewohnen konnte. – 1936 übernahm der Verein zur Erhaltung des Schlosses Jegenstorf die Besitzung, um sie für die Öffentlichkeit als geschichtliches Denkmal erhalten zu können.

 

 

 

Kommandoposten der Schweizer Armee

Ein Hauch von Schweizer Geschichte wehte vom Herbst 1944 bis in den Sommer des folgenden Jahres durch die Mauern des Schlosses. Am 9. Oktober 1944 verlegte General Henri Guisan den Kommandoposten der Schweizer Armee von Interlaken nach Jegenstorf. Gleichzeitig zog ein Teil des Armeestabes nach Burgdorf um. Ziel der Verlegung war nach Guisans eigenen Aussagen sein Bedürfnis, „näher an der Front“ und den politischen Schaltstellen zu sein. Für seinen persönlichen Gebrauch beanspruchte der General zwei Räume im Südwest-Flügel des ersten Stocks. Das Eckzimmer (9) diente ihm als Schlafzimmer, der anschliessende Raum (10) als Arbeitsraum. Zahlreiche Anekdoten beschreiben die Begeisterung und die Verehrung der Jegenstorfer Bevölkerung für „ihren“ General. Ein wahrhaft historisches Ereignis erlebte das Schloss Jegenstorf am 8. Mai 1945, dem Tag des Friedensschlusses. General Guisan versammelte seinen Stab und das Personal zu einem Rapport im Hof vor dem Haupteingang, um sich persönlich für ihre Treue und ihren Durchhaltewillen zu bedanken. Die Stiftung Schloss Jegenstorf zeigte vom 8. Mai bis zum 10. Oktober 2010 die Sonderausstellung General Henri Guisan. Zum 50. Todestag.

 

 

 

Parkanlage

Die 1955 gegründete Stiftung Schloss Jegenstorf besitzt und unterhält die Schlossdomäne Jegenstorf durch baulichen Unterhalt und Renovationen der Gebäude und der öffentlichen Parkanlage. Nebst den elegant eingerichteten Interieurs mit Berner Kunsthandwerk aus dem 18. Jahrhundert lässt die Stiftung der Parkanlage ein besonderes Augenmerk zukommen. 2000 wurden die umfangreichen Sanierungsarbeiten im Park abgeschlossen. Die Anlage wurde im südlichen Bereich (Teich, Allee und Arboretum) nach dem Aufnahmeplan von 1764 weitgehend wiederhergestellt. Der Park mit seinem Schatten spendenden historischen Baumbestand bietet den Besuchenden Erholung und eine einmalige Kulisse für Veranstaltungen. Als zusätzliche Attraktion wurde im barocken Arboretum ein Päoniengarten angelegt. Heute ist die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege des Kantons Bern daran, weitere nötige Massnahmen im Park umzusetzen und neue Elmente in den Park des Berner Barockschlosses zu integrieren. Siehe dazu:
 

Medieninfo Parkkonzept Juni 2017

 

Apfelschaumwein «Schloss Jegenstorf»

Die alten sowie die ergänzten Obstbäume liefern köstlichen Apfelschaumwein und verschiedene Obstbrände.

 

 

 

Dorfmuseum Jegenstorf

In der «Schloss-Schüür» befindet sich das Dorfmuseum. Thematisch konzentriert es sich auf wechselnde Ausstellungen, die sich im Allgemeinen auf die verschiedenen Aspekte des täglichen Lebens bzw. der Dorfgeschichte beziehen und sich in einem Dreijahreszyklus ablösen.

Im historischen Waschhaus, wo sich das Schloss-Café niedergelassen hat, sind Keramiken – auch aus der ehemaligen Töpferei Häberli in Jegenstorf – und die Bearbeitung von historischen Textilien ausgestellt.

Öffnungszeiten und Kontakt
Dorfmuseum Jegenstorf: Mai bis Oktober, So, 14 –17 Uhr 
Waschhaus/Schloss-Café: Mai bis Oktober, Di bis So, 14 – 17 Uhr
Führungen und Sonderöffnungen auf Anfrage jederzeit möglich.
Kontakt: Fritz Schulthess, Leiter Dorfmuseum, +41 (0)31 761 35 36, fritz-schulthess@bluewin.ch

 

 

((Bild))

 

Schlosscafé

Im historischen Waschhaus im Park

Kontakt: Verena Grob
T +41 (0)31 761 11 30
M +41(0)79 648 40 39
verenagrob@bluewin.ch


10. Mai bis 15. Oktober 2017
Di bis Sa 14 bis 17 Uhr
So 13 bis 17 Uhr
Pfingstmontag geöffnet